Mittwoch, 19. August 2015

SOULFLY - ARCHANGEL

Releasedatum: 14.08.2015
Format: CD, CD+DVD, LP
Nuclear Blast, Thrash Metal, 10 Songs (+3 Digipak Bonus Songs)

Der Cavalera-Familienzirkus nimmt wieder Fahrt auf und präsentiert uns mit „Archangel“ das 10. Album unter der Soulfly-Fahne und den Preis für das extravaganteste Soulfly-Artwork hat diese Scheibe schonmal sicher. Doch kann sie auch musikalisch wieder anheben, was man mit Alben wie „Savages“, „Enslaved“ und „Omen“ in die unbedeutende Mittelmäßigkeit katapultierte?

Direkt ohne Intro auf die Fresse gibt es mit „We sold our Souls to Metal“, ein ordentlich bassiger Kracher mit frickeligen Gitarren in den Strophen und einem belanglosen Refrain. Ist es nicht schon seit den 90ern out Songs zu schreiben die den Metal so zelebrieren? Außerdem finde ich es fragwürdig ob man das Intro des nächsten Songs noch an den aktuellen anhängen sollte wie im Übergang zum Titeltrack „Archangel“ geschehen. Ebenso fragwürdig ist der Einsatz von diesem unerträglichen elektronischen Geschwurbel im Hintergrund. Da das Lied aber im Verlauf noch ordentlich doomig und mystisch wird kann es sich sicher noch eine Weile in meiner Playlist halten.
In eine düstere Stimmung versetzt uns schon der Vocalpart von Todd Jones zu Beginn von „Sodomites“, welches ein zwar ein durchschnittlich guter Thrash Song ist, in dem sich aber auch schon das eintönige Schlagzeugspiel von Zyon Cavalera abzeichnet.
Nach dem uninteressant vorbeiziehenden „Ishtar Rising“ lässt mich „Live Life Hard!“ nocheinmal aufhorchen. Die Stimme von Gastsänger Matt Young ist so unerträglich, dass man sich sogar das Gebrumme von Max zurückwünscht. „Shamash“ hingegen versucht nochmal wie der Titeltrack in eine mythische Richtung zu gehen, scheitert allerdings grandios. Ein weiterer oft gehörter und immer wieder gleicher Cavalera Song ist „Bethlehems Blood“, allerdings kann der alte Herr auch noch überraschen. Zwar sind es hier nur Trompeten, aber immerhin.
Leider ist nun auch, passend zum Rest, das letzte Trio aus „Titans“, „Deceiver“ und „Mother of Dragons“ am Versuch etwas Großes zu schaffen gescheitert. Wenigstens der Backgroundgesang in „Deceiver“ bricht noch aus der Eintönigkeit heraus und vom typischen Cavalera-Familien-Song „Mother of Dragons“ kann man halten was man will, aber es gibt mal andere halbwegs angenehm anzuhörende Stimmen.
Hier ist das Album für die Käufer der einfachen CD schon am Ende, wer sich das Digipak kauft kommt allerdings noch in den Genuss des Napalm Death Covers „You Suffer“. Wie muss man sich die Entstehung dieser Idee vorstellen? Der Plattenfirmenchef ruft morgens bei den Cavaleras an und sagt das noch ein Cover auf die Platte muss, also brummt der gute Max noch im Bett liegend „You Suffer“ ein und fertig ist der Bonustrack. Ein Lichtblick hingegen ist „Acosador Nocturno“ in dem Soulfly endlich wieder zeigen was sie früher ausmachte, ordentliche Tribaleinflüsse und Abwechslung. Den Abschluss macht der typische Akustiktrack, den es auf jedem Album gibt „Soulfly X“ und endlich ist die Höllenfahrt auch vorbei.

Der Soulfly Spirit ist schon vor Jahren verloren gegangen und die Alben entwickeln sich immer weiter in Richtung 08/15 Thrash. Auch „Archangel“ ist da keine Ausnahme, kann aber immer wieder mit kleinen Highlights glänzen, deshalb rettet sich das Album auf 3 von 6 Punkten.

Anspieltipps: Archangel, Sodomites, Acosador Nocturno

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