Samstag, 1. August 2015

AL-NAMROOD - HEEN YADHAR AL GHASQ

Releasedatum: 06.01.2014
Formate: CD, LP
Shaytan Productions, Black/Folk Metal, 7 Songs

Saudi-Arabien, genauer gesagt die Provinz asch-Scharqiyya. Viel Wüste, Hitze, Kamele und Black Metal. Halt. Black Metal aus Nahost? Nicht nur im kalten, skandinavischen Norden gibt es system- und religionskritische Minderheiten die im Untergrund ihre Musik machen.
Allerdings drohen Al-Namrood in ihrer Heimat ernstere Strafen als das schief-angeschaut-werden durch die ältere Generation, denn ihre kritische Haltung gegen den Islam kann ihnen im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf kosten, aber weitere Infos zu den Hintergründen der Band und den Zuständen in ihrer Heimat kann man mittlerweile auch in den westlichen Mainstreammedien nachlesen, die Anfang des Jahres Al-Namrood auch in das Blickfeld deutscher Musikfans gebracht haben.

„Heen Yadhar Al Ghasq“ ist zwar nicht die aktuellste Veröffentlichung der Band (Anfang 2015 kam die EP „Ana Al Tughian“), aber im Moment das letzte Album. Al-Namroods Alben werden über das kanadische Label Shaytan Productions, welches sich auf orientalischen Black Metal und Ambient spezialisiert, in diverse westliche Länder vertrieben.
Das Album beginnt nicht direkt mit einem Schlag ins Gesicht, „Estahalat Al Harb“ ist eher ein 4-minütiges Instrumentalintro. Keyboardsounds und arabische Gitarrenmelodiken mischen sich mit dem typischen Black Metal Riffing und für die Umstände unter denen die Musiker agieren müssen wurde das Album super aufgenommen.
Im Titeltrack „Heen Yadhar Al Ghasq“ kommen auch arabische Percussions hinzu, einzig die Bassdrum des Schlagzeuges wirkt mir etwas zu sehr getriggert. In diesem Lied hört man zum ersten mal auf dem Album die tiefe, markante Stimme des Sängers Humbaba, dem im Titeltrack immer mal wieder der arabische Gesangsstil durchkommt.
Eine interessante Einleitung, ein episches, langes Instrumental und puren Wahnsinn im Gesang bietet „Youm Yukram Al Jaban“, direkt gefolgt vom ersten Lied zu dem ein Video gedreht wurde. „Bat Al Tha Ar Nar Muheja“war außerdem das erste Lied, welches ich von Al-Namrood gehört habe. Nach dem kurzen arabischen Intro geht es schon richtig fies und schnell zur Sache, Humbaba lässt wieder seine bösesten Lacher ab und die Drums lassen das Lied leicht chaotisch wirken, allerdings hat auf dem zweiten Blick alles seine Ordnung und Daseinsberechtigung. Unterbrochen wird das nur noch von einem kurzen, ruhigen Zwischenstück, bevor wieder ordentlich reingehauen wird.
Das einzige Lied dem man die schlechten Aufnahmeumstände anmerkt ist „Um Al Qashaam“, welches in den Höhen schon ziemlich kratzig klingt, allerdings lassen die wundervollen arabischen Melodien, die über Keyboard und Gitarren gespielt werden, darüber hinwegsehen.
Den Abschluss bilden der richtig gemeine Ohrwurm „Subat“ und „A Aj Al Safeeh“. Letzteres hat wie schon „Youm Yukram Al Jaban“ eine ziemlich interessant und ungewöhnlich klingende Einleitung und baut wundervolle arabische Highlights ein.

Ich möchte hier nur die musikalische Ebene von Al-Namrood bewerten, da ich es verwerflich finde eine arabische Band einfach nur aus dem Grund zu „feiern“, weil sie sich trauen sich gegen den Islam aufzulehnen. Würde dies eine westliche Band in dieser Form machen...den Shitstorm könnte man sich garnicht vorstellen und außerdem hab ich weder arabische Freunde, noch kann ich die arabische Sprache, weshalb es mir nicht möglich ist zu sagen was Al-Namrood da überhaupt singen. Es könnten genauso gut einfache Klopf-Klopf-Witze sein.
Musikalisch bieten Al-Namrood allerdings soliden, eingängien Black Metal mit Folkeinflüssen, in diesem Falle eben nahöstliche Folklore und was gibt es besseres als im warmen Sommer zu arabischen Metal zu headbangen? 5 von 6 Punkten bekommt „Heen Yadhar Al Ghasq“ von mir, gebt der Band mal ein Ohr. Mir gefallen Al-Namrood jedenfalls deutlich besser als die Kollegen Melechesh aus Jerusalem.

Anspieltipps: Estahalat Al Harb, Youm Yukram Al Jaban, Bat Al Tha Ar Nar Muheja

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